Kurzfilm «Bärlin» – Hintergrundinformationen

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Berlin. Bunte Lichter. Abenteuer. Kneipen. Rausch – und ein Abschied.
Ein Bär tingelt durch sein Berlin und lässt sich treiben von der Stadt. Die Stadt, die er liebt. Was er jedoch noch nicht weiss: Es ist die letzte Nacht mit ihr. Dann muss er weg, denn es ist Krieg.
Die Geräusche der Stadt, das pulsierende Leben, das Gefühl von Heimat. Was passiert vor dem Abschied, bevor man das Leben zurücklässt und in den Krieg zieht? Wie sehen die letzten Stunden zu Hause aus? Berlin. Gibt es ein Wiedersehen?
Der Bär macht für uns jene Gefühle sichtbar, die Alfred Lichtenstein erlebt haben muss, als er das Gedicht, Gesänge an Berlin verfasst hat. Der Autor starb im Alter von 25 Jahren im 1. Weltkrieg ein Jahr nachdem er Berlin verlassen musste.

Story, Kamera, Schnitt und Animation: Guido Koch und Philipp Bornhauser
Zeichnungen: Silvana Degonda
Tonaufnahmen und Text: Elisabeth Riedel und Jeanne Dutoit

Gesänge an Berlin

von Alfred Lichtenstein aus dem Jahr 1914

1
O du Berlin, du bunter Stein, du Biest.
Du wirfst mich mit Laternen wie mit Kletten.
Ach, wenn man nachts durch deine Lichter fließt
Den Weibern nach, den seidenen, den fetten.

So taumelnd wird man von den Augenspielen.
Den Himmel süßt der kleine Mondbonbon.
Wenn schon die Tage auf die Türme fielen
Glüht noch der Kopf, ein roter Lampion.

2
Bald muß ich dich verlassen, mein Berlin.
Muß wieder in die öden Städte ziehn.
Bald werde ich auf fernen Hügeln sitzen.
In dicke Wälder deinen Namen ritzen.

Leb wohl, Berlin, mit deinen frechen Feuern.
Lebt wohl, ihr Straßen voll von Abenteuern.
Wer hat wie ich von eurem Schmerz gewußt.
Kaschemmen, ihr, ich drück euch an die Brust.

3
In Wiesen und in frommen Winden mögen
Friedliche heitre Menschen selig gleiten.
Wir aber, morsch und längst vergiftet, lögen
Uns selbst was vor beim In-die-Himmel-Schreiten.

In fremden Städten treib ich ohne Ruder.
Hohl sind die fremden Tage und wie Kreide.
Du, mein Berlin, du Opiumrausch, du Luder.
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.

Short film «Bärlin» –
the story behind

Berlin. Fairy Lights. Adventure. Pubs. Intoxication – and a farewell.
A bear walks through the streets of «his» Berlin and drifts of the city. The city whick he loves. One thing he doesn't know: It's his last night within. He has to leave because its war.
The sounds of the city, the vibrant life, the feeling of being home. What happends before leaving, before everything must be left to join the war? How are this last hours? Berlin. Is there a reunion?
The bear shows feelings, that Alfred Lichtenstein must have had as he wrote the poem «Gesänge an Berlin». The author died at the age of 25 in world war one, one year after he left Berlin.

Story, camera, editing and animation done by Guido Koch and Philipp Bornhauser.
Drawings by Silvana Degonda.
Sound recordings and text by Elisabeth Riedel and Jeanne Dutoit.